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{"id":5276,"date":"2016-09-09T09:43:25","date_gmt":"2016-09-09T07:43:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.textmaker.at\/wp\/?p=5276"},"modified":"2016-09-09T09:43:25","modified_gmt":"2016-09-09T07:43:25","slug":"petrischale-einer-wahnhaften-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.textmaker.at\/wp\/Archive\/5276","title":{"rendered":"Petrischale einer wahnhaften Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.textmaker.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Zeh_JUnterleuten_164196.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5277 alignleft\" src=\"https:\/\/www.textmaker.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Zeh_JUnterleuten_164196-188x300.jpg\" alt=\"Unterleuten von Juli Zeh\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.textmaker.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Zeh_JUnterleuten_164196-188x300.jpg 188w, https:\/\/www.textmaker.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Zeh_JUnterleuten_164196-768x1227.jpg 768w, https:\/\/www.textmaker.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Zeh_JUnterleuten_164196-641x1024.jpg 641w, https:\/\/www.textmaker.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Zeh_JUnterleuten_164196.jpg 1618w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a>Was ist das Grund\u00fcbel der Menschheit? Die alttestamentarischen Tods\u00fcnden Neid, Zorn, Stolz und wie sie alle hei\u00dfen? Die nackte Gier, die aggressive, immer fordernde und raffende Seite des Neids? Das B\u00f6se selbst?<\/p>\n<p>Juli Zeh gelangt in ihrem gro\u00dfen Wurf <i>Unterleuten<\/i> zu einem anderen Schluss. Wirklich b\u00f6se sind die wenigsten, das B\u00f6se selbst \u2026 sagen wir es so: G\u00e4be es einen Gott, das B\u00f6se w\u00e4re seine rechte Hand. Stolz, den konnte man sich mitten in der ehemaligen DDR nicht erlauben. Zorn, den gibt es reichlich \u2013 Wut \u00fcber die Ungerechtigkeiten der Systeme, die eigene Hilflosigkeit. Erlittenen Schmerz, Dem\u00fctigungen, an die man jeden Tag erinnert wird, 20 Jahre lang. Doch das ist Reaktion.<\/p>\n<blockquote>\n<h4>\u201eDie Wahrheit war nicht, was sich ereignet hatte, \u2026<\/h4>\n<\/blockquote>\n<p>Ja, mit dem brandenburgischen Dorf Unterleuten \u201estimmt was nicht. Ganz massiv\u201c. \u201eDie Wahrheit war nicht, was sich ereignet hatte, sondern was die Leute einander erz\u00e4hlten.\u201c Bis sie den Unterschied aus den Augen verloren und umso mehr auf ihrer \u201eWahrheit\u201c beharrten, je weniger Sie davon wussten: \u201eViel gef\u00e4hrlicher waren Leute, die sich im Recht glaubten. Sie waren ungeheuer zahlreich, und sie kannten keine Gnade.\u201c<\/p>\n<p>Gerade weil es so tr\u00fcgerisch banal scheint, ist es fundamental bedeutsam. Rechthaberei als wahre Erbs\u00fcnde der Menschheit? Das l\u00e4sst keinen Platz f\u00fcr heldenhaftes Pathos oder gerechten Zorn, das demaskiert uns schonungslos als die Simpel, die wir sind, als die Fleisch gewordene Antwort auf alle Fragen, f\u00fcr die wir uns halten.<\/p>\n<blockquote>\n<h4>\u2026 sondern was die Leute einander erz\u00e4hlten.\u201c<\/h4>\n<\/blockquote>\n<p>Juli Zeh hat ein grausam gutes Buch geschrieben. <i>Unterleuten<\/i>, das ist die Petrischale einer in wahnhafte Egozentrik abgedrifteten Gesellschaft. Sie suhlt sich in ihrem selbstorganisierten Sumpf, bis \u00c4u\u00dferes die \u201enat\u00fcrliche\u201c Ordnung st\u00f6rt. Hier ist es ein geplanter Windpark: Saubere, erneuerbare Energie, die zugleich die notorisch leeren Gemeindekassen f\u00fcllen w\u00fcrde. Aber doch bitte nicht in meinem Blickfeld! Dabei lautet die eigentliche Frage nur: Auf wessen Grund werden sie errichtet? Wer gewinnt? Ein Kampf entspinnt, der das ganze Dorf mit sich rei\u00dft, alte Wunden \u00f6ffnet und Frontlinien sichtbar macht, hat man erst einmal das Dickicht des Netzwerks aus Abh\u00e4ngigkeiten, geschuldeten Gef\u00e4lligkeiten und jahrzehntealten Loyalit\u00e4ten und Beziehungsgeflechten durchschaut. Also kaum, bevor es zu sp\u00e4t ist &#8230;<\/p>\n<blockquote>\n<h4>Juli Zeh at her very best<\/h4>\n<\/blockquote>\n<p>Zehs Pr\u00e4sentation des d\u00f6rflichen Pand\u00e4moniums mit Weltgeltung zeigt die Autorin auf dem H\u00f6hepunkt ihres Schaffens: unterhaltsam, pr\u00e4zise, klar, anregend, aufregend \u2013 und immer wieder gew\u00fcrzt mit nahtlos eingef\u00fcgten Fakten und S\u00e4tzen wie \u201eEr wurde nicht \u00e4lter, er wurde zahlreicher.\u201c oder \u201eB\u00e4ume besa\u00dfen keine Vergangenheit. Nur der Mensch wollte das Leben partout als Stra\u00dfe und nicht als Zustand verstanden wissen.\u201c oder \u201eEr sp\u00fcrte Herz und Lunge, als w\u00e4ren sie ihm gerade erst in die Brust montiert worden.\u201c Der Titel \u201eBuch des Jahres\u201c ist aus meiner Sicht damit vergeben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.randomhouse.de\/Buch\/Unterleuten\/Juli-Zeh\/Luchterhand-Literaturverlag\/e482616.rhd\" target=\"_blank\">Juli Zeh, \u201eUnterleuten\u201c.<\/a> \u20ac 25,70 \/ 640 S. Luchterhand-Verlag, M\u00fcnchen 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist das Grund\u00fcbel der Menschheit? Die alttestamentarischen Tods\u00fcnden Neid, Zorn, Stolz und wie sie alle hei\u00dfen? Die nackte Gier, die aggressive, immer fordernde und raffende Seite des Neids? Das B\u00f6se selbst? Juli Zeh gelangt in ihrem gro\u00dfen Wurf Unterleuten zu einem anderen Schluss. 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