Die Zukunft des Lernens
- Helmuth Santler

- 21. März
- 2 Min. Lesezeit

Selbstorganisiert und eigenverantwortlich zu lernen gilt den Autoren als „die wichtigste Kompetenz für eine dynamische, vernetzte und globale Welt“. Seit 2022 und dem Auftritt von generativer KI bestehen für diese grundsätzlich altbewährte Herangehensweise nie da gewesene Möglichkeiten. Damit einher ging allerdings auch ein exponentieller Zuwachs an Komplexität, und mag dieser auch größtenteils rein quantitativer Natur sein, führt dies dennoch zur Einschätzung: „Noch nie war es so schwierig, den Überblick zu behalten.“
In Anbetracht dessen präsentieren der Pädagoge Werner Sauter (Spezialgebiet: werte- und kompetenzorientierte Lernsysteme) und der „Experte für digitale Zusammenarbeit, Lernen und Kompetenzentwicklung“ Daniel Stoller-Schai ihr Thema als streng wissenschaftliche, mit lerntheoretischen Grundlagen unterfütterte Abhandlung, die sich der durchstrukturierten Ordnung als oberstes Prinzip verschrieben hat. Gamification, Infotainment und derlei Leichtsinn sucht man hier vergeblich: Das Buch will erarbeitet werden, und dies ist wohlkalkulierte Absicht. Denn wenn in Abschnitten wie „Prompts erstellen mit 26 Prinzipien“ oder „Refining: Ergebnisse verbessern mit Sätzen und Verben“ Lernwilligen der Weg zum KI-gestützten Lernen gewiesen wird, ist es mit Lesen allein naturgemäß nicht getan. Dafür sind die potenziell erreichbaren Möglichkeiten aber auch faktisch unbegrenzt: Sie reichen von einfachen Prompts über das Prompten einfacher Assistenten bis zur Entwicklung eigener GPT-Bots (Generative Pre-trained Transformer) und zuletzt einem „eigenen Lernuniversum“.
Angesichts der Unzahl an KI-Tools scheint freilich das Prompten vollauf zu genügen. Der aktuelle Stand (16. 12. 2025) laut der Internet-Site theresanaiforthat.com: „43,679 AI tools for 11,439 tasks and 5,167 jobs“*. So stellt sich für den postulierten Leitsatz „Die Kreativität sitzt vor der Kiste, nicht in der Kiste“ die Frage: Wie lange noch? Dazu ChatGPT: Solange Kreativität als „Sinngebung und Wertentscheidung“ verstanden wird, habe er Bestand. Er erodiere, wo die Unterscheidbarkeit von „intendierter oder nur emergenter“ Kreativität verschwindet (hybride Mensch-Maschine-Kreativität). Er falle, wird Kreativität im Sinne von „Neuheit × Nützlichkeit × Überraschung“ verstanden. Es ist nur eine Frage der Zeit.
Werner Sauter, Daniel Stoller-Schai, „Selbstorganisiertes Lernen mit generativer KI. Neue dialogische Lernwelten im beruflichen Kontext“. EUR 42,30 / 216 S. Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2025



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