Nancy Wake: She-Bond real
- Helmuth Santler

- 7. Juni
- 2 Min. Lesezeit

Nancy Wake (30. August 1912 bis 7. August 2011) arbeitete nach einigen Jahren als Krankenpflegerin in den 1930ern als Journalistin für die Hearst-Presse in Paris, führte einmal ein Interview mit Adolf Hitler und erlebte dessen Einmarsch in Wien. 1936 lernte sie einen französischen Unternehmer kennen und lieben, die beiden heirateten drei Jahre später und lebten zum Zeitpunkt der nordfranzösischen Besatzung 1940 in einen Luxusapartment in Marseille. Aus tiefster Überzeugung konnte Nancy nicht länger tatenlos daneben stehen. Sie schloss sich als erst Nachrichtenkurier, dann Schmugglerin und zuletzt Fluchthelferin der Résistance an, brachte Flüchtlinge über die Grenze nach Spanien und rettete so Unzähligen das Leben. Wiederholt entging sie der Festnahme durch die Gestapo, die sie jahrelang überwachte. Als „Weiße Maus“ war sie Nr. 1 auf der Nazi-Fahndungsliste: 5 Millionen Francs waren ausgelobt. Nachdem sie zuletzt doch das Land verlassen musste und nach Großbritannien geflüchtet war, wurde sie vom britischen Special Operations Executive zur Agentin ausgebildet: Überlebenstraining, Nachrichtenübermittlung, Fallschirmspringen, lautloses Töten sowie der Umgang mit Plastiksprengstoff und die Handhabung verschiedener Waffen und Granaten standen auf dem Stundenplan. Anschließend kehrte sie nach Frankreich zurück. Als „Hélène“ organisierte sie Maquis-Widerstandsgruppen im mittlerweile fast vollständig besetzten (oder unter Vichy-Regime stehenden) Frankreich: Sie führte als einzige Frau das Kommando über bis zu 7.000 Männer, versorgte sie mit Waffen und Ausrüstung, teilte militärische Ziele zur Vorbereitung des D-Days im französischen Hinterland zu und kämpfte selbst an vorderster Front. Sie erhielt unzählige militärische Auszeichnungen aus mehreren Ländern (u.a. USA Medal of Freedom, Médaille de la Résistance, die britische George Medal) und arbeitete auch nach dem Krieg noch jahrelang für den Geheimdienst.
Wer nun Lust bekommt, die ebenso unglaubliche wie historisch belegte Geschichte hinter diesen dürren Fakten zu erleben, ist mit Ariel Lawhons jüngst auf Deutsch erschienenem Werk Codename Hélène bestens bedient. Die US-Autorin ist auf Porträts historischer Heldinnen spezialisiert (zuletzt Der gefrorene Fluss über eine Hebamme in Nordamerika im frühen 18. Jahrhundert). Als Quellen nutzt sie vor allem anderen eigene Aufzeichnungen der Protagonistinnen: Das Leben der Nancy Wake kam 1985 erstmals in Form ihrer Autobiografie auf den Buchmarkt. Ihre faktenbasierten Fiktionen (die wenigen Abweichungen werden im Anhang erläutert und sind sämtlich absolut nachvollziehbar der dramatischen Zuspitzung geschuldet) sind emotional, packend, erhellend und bei aller Action kommt auch die Romantik nicht zu kurz. Feinster Schmökerstoff mit Bildungshintergrund.
Ariel Lawhon, „Codename Hélène“. € 22,65 / 588 S. Adrian, Berlin 2025



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