Die neue Endlösung
- Helmuth Santler

- 31. Okt. 2025
- 1 Min. Lesezeit

Deutschland, 2084: Seit 50 Jahren ist „die Partei“ an der Macht, Demokratie, EU, Meinungsfreiheit sind abgeschafft, das Land, wegen der russischen Expansion unter dem offiziell unsterblichen Putin wieder in zwei Hälften geteilt, verdorrt wie die ganze Welt. Die nach der Entfernung alles „Undeutschen“ wenigen restlichen Menschen hungern, ein Weltkrieg um Wasser und Ressourcen scheint unausweichlich. Das maximal dystopische Setting mag in seiner tiefschwarzen Ausweglosigkeit überzogen erscheinen; denkt man den bestehenden (gesellschafts)politischen Irrsinn um die Trumps, Putins und Rechtsextremen dieser Welt und das Tempo, mit dem sich derlei Geschmeiß verbreitet (hat), jedoch konsequent negativ weiter, ist das Resultat plausibel. Die Geschichte um Überleben, Flucht, Rebellion, Liebe, Leid und (millionenfachen) Tod, die vor diesem Hintergrund erzählt wird, ist storytechnisch stellenweise grenzwertig, ihrer Emotionalität, getrieben durch die sich überschlagenden Ereignisse und eine Schreibe im Rhythmus einer Heavy-Metal-Nummer, kann man sich aber kaum entziehen. Bitte anschnallen – und: Wehrt dem Anfang!
Antonia Michaelis / Peer Martin, „Tomorrow Land“. € 16,60 / 320 S. Oetinger, Hamburg 2025
Im Standard, 31.10.2025



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