Liebe wird aus Mut gemacht
- Helmuth Santler

- 25. Apr.
- 2 Min. Lesezeit

Raven ist 16, blond, liebt Geschichten und träumt von der Liebe. Ein ganz „normales“ Mädchen also? Nein – den Raven ist blind, von Geburt an. Bunt ist ihr Leben trotzdem, dank ihrer besten Freundin May-Lin, die ihr die Augen ersetzt. Raven hat dafür Ohren wie ein Luchs, ihre Welt ist eine der Geräusche, Gerüche und vor allem eine des Fühlens und Tastens. Dass sie einem wildfremden Boy, mit dem sie zufällig zusammenstößt, aber gleich mit der Hand ans Gesicht greift, ist ihr ein paar Sekunden später dann doch ziemlich peinlich. Was war das denn eben?Lesen eröffnet neue Perspektiven, in diesem Fall im doppelten Wortsinn. Denn nicht nur erleben wir die Welt aus der Sicht einer Heranwachsenden auf der Suche nach sich selbst, nach ihrem Weg, ihrem Platz in dieser Welt, sondern werden auch in die Wahrnehmung eines Menschen ohne Bilder versetzt und lernen ein Stück weit besser zu verstehen, wie wichtig und zugleich schwierig zu erlangen Selbstbestimmung ist. Ravens Mutter überbehütet sie, das Mitleid, das ihr oft begegnet, ist ihr zutiefst verhasst, und auf ihre Behinderung reduziert zu werden will sie schon gar nicht. Dass sie spezielle Bedürfnisse hat und mehr als andere auf Hilfe angewiesen ist, lässt sich aber auch nicht leugnen. Ein schwieriger Spagat, und als dann noch die erste große Liebe ihr Leben erfüllt, braucht Raven allen Mut, um über sich selbst hinauszuwachsen.Nominiert zum deutschen Jugendliteraturpreis 2025 (Kategorie Preis der Jugendjury), erweist sich Der Duft von Grün als einfühlsamer, genau beobachtender Text, dessen Schreibe zugleich mit einer wohldosierten Portion jugendlicher Unbekümmertheit bis Frechheit aufwarten kann. Berührend und unterhaltend auf hohem literarischem Niveau. Lesealter-Empfehlung des Verlags: ab 14.
Pamela Sharon, „Der Duft von Grün“. € 20,50 / 238 S. Freies Geistesleben, Stuttgart 2024



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