Die Revolution als Kinderspiel

Ein Junge, der im kniehohen Wasser fast ertrinkt: Der 13-jährige Meelo ist eine Enttäuschung für die Perlentaucher von Wellenriff, viel mehr aber für sich selbst. Doch dann hat er eine Begegnung und das ungeschriebene Gesetz – ein Perlentaucher bleibt bei seinen Austern – erscheint ihm auf einmal gar nicht mehr so unverrückbar. Er macht sich sogar auf zur Königslese: Es gilt, einen neuen Kindlichen König zu wählen. Denn in Meelos Welt herrscht seit Jahrzehnten ein König oder eine Königin nur bis zum Erwachsenenalter und wird dann einer Prophezeiung folgend neu gewählt. Das System, so scheint es, ist zum Wohle aller. Doch je länger Meelos Reise andauert, umso deutlicher wird, dass es viele Ungerechtigkeiten gibt. Allen voran die grausame Praxis, den Flügelpferden die Schwingen zu stutzen und sie so ihrer Flugfähigkeit zu berauben. Ria, eine junge Flügelhüterin, will genau das verhindern und sich dafür auf den Thron setzen. Doch ob das der richtige Weg ist, muss sich erst zeigen.
Maike Harel hat ein originäres Fantasy-Setting erdacht, in dem eigentlich das politische System die Hauptrolle spielt. Ihre Welt ist eine der unterschiedlichen Klassen, alle haben ihren Platz, fügen sich ein und hoffen darauf, als Nächstes von der Wahl eines Kindlichen Königs aus ihren Reihen zu profitieren. So geht es in der Geschichte um die Überwindung von Gegensätzen, um Zusammenhalt, um den Blick über den eigenen Tellerrand. Die Sprache ist dabei so schlicht, dass sicherlich bereits Achtjährige mit der nötigen Lesekompetenz folgen können. Zumal der inhaltlich stellenweise umstürzlerische Text frei von allem ist, was zarte Kinderseelen belasten könnte: die Revolution als Kinderspiel und am Ende ist alles gut.
Maike Harel, „Die Bestimmung der Mondsteinkinder“. 320 S. / € 16,45. Ueberreuter, Berlin 2025




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