Plädoyer für Zärtlichkeit
- Helmuth Santler

- 30. Mai
- 1 Min. Lesezeit

Jason Reynolds, vielfach ausgezeichneter Star der US-amerikanischen (Jugend)literaturszene, fand: „Auch Schwarze Jungs haben Liebesgeschichten verdient.“ Diese beginnt 24 Sekunden vor dem berühmten ersten Mal. Neon will es. Aria, mit der er seit zwei Jahren zusammen ist, will es. Und doch ist er ins Badezimmer geflüchtet, ein Nervenbündel, das nicht weiß, ob die Pommes oben oder unten wieder rauswollen.
Schnitt: 24 Minuten davor. 24 Stunden davor. 24 Tage, Wochen, Monate. In Rückblenden erleben wir die Romanze, bekommen die erfrischend schambefreiten Liebes- und Sextipps von den Erwachsenen zu hören, blicken tief in Neons Herz.
In der Wortwahl jugendfrei, im Sound schwarz, jugendfrisch-direkt und voller Empathie und Respekt für das Zielpublikum, ist 24 Sekunden keine klassische Romcom, in der es ums Einander-Kriegen geht, sondern ein als höchst unterhaltsames Lesefutter gewandetes Plädoyer für Intimität und Zärtlichkeit. In Zeiten sich wandelnder Rollenbilder und Unsicherheit v.a. von Jungs eine coole männliche Stimme für eine menschliche Sexualität jenseits von Geschlechtsstereotypen.
Jason Reynolds, „24 Sekunden ab jetzt“. € 16,50 / 192 S. dtv, München 2026

Im Standard 30. 5. 2026 (leider in der Printausgabe fälschlicherweise als "Kinderbuch" eingeordnet und Peter Mayr zugeschrieben)



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