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Der Texttückentext

Aktualisiert: 15. Mai


Ausschnitt aus einem Zeitungsartikel, gelb hervorgehoben das Wort Honorarschwindel, abgeteilt als Honorarsch-Windel
Auch für korrekte Silbentrennung sollte man sich nicht auf die Software verlassen …

Sprachliche Tücken lauern überall; (umfangreiche) Texte fehlerfrei hinzubekommen ist aufwendig (zumal in orthografisch unsicheren Zeiten; die Phase, in der ausschließlich „aufwändig“ als korrekt zu gelten hatte, währte aber nur kurz). Wem an textlicher Qualität gelegen ist, kommt an professioneller Textbearbeitung (Lektorat, Korrektur, Satzkorrektur) nicht vorbei. Auch wenn nicht gleich der GAS (größte anzunehmende Sprachunfall) zu befürchten ist:

Zeitungsausschnitt zu einem Fußballspiel mit hervorgehobenem Abschnitt, in dem in zwei Sätzen 6 schwere Fehler angemerkt sind.




Das Texttücken-Potpourri – viel Spaß!





An den Anfang muss ich leider aus aktuellem Anlass etwas stellen, das nicht lustig, sondern einfach nur nervtötend und auch unverständlich ist. Denn seit dem Aufkommen KI-basierter Textunterstützung ist aus der früher teils fragwürdigen, teils recht nützlichen Korrekturfunktion von Word & Co. das geworden: kompletter Schwachsinn.


Jetzt aber auf ins Kuriositätenkabinett.

Paul Pogba – vom Weltmeister zum Dopingsünder. Klar ist Juve davon wenig begeistert. Aber das geht doch eindeutig zu weit … (https://sport.orf.at/stories/3119832/ vom 7.12.2023)

Textabschnitt zur Auflösung von Paul Pogba




Zeitungsausschnitt mit Silbentrennungsfehler: Leid-Erleben wurde als Leider-Leben getrennt.

Eine besondere Perle im Standard zum Thema Silbentrennung, bei dem die Text- und Layoutprogramme regelmäßig ihre Böcke schießen. „Leider-Leben“ und „Leid-Erleben“ durcheinanderzubringen sei ihnen indes verziehen, zumal das ja auch inhaltlich irgendwie nicht ganz verkehrt wirkt, so oder so … Schönen Gruß ans Standard-Korrekturteam (das es seit 2024 nicht mehr gibt).


„Alkohol in Massen genossen ist gesundheitlich unbedenklich.“

Das stimmt – aber nur in der Schweiz. Dort kennt man nämlich kein „ß“ …


„Als sie wieder kam, atmete sie heftig.“

Sie war ja auch sehr schnell gelaufen … nur hätte es dann „wiederkam“ heißen müssen.


„‚The Hoff‘“ sei gegangen – ganz im ‚Knight Rider‘-Stil in Lederjacke und schwarzer Limousine.“ (Kronen Zeitung, 18.9.2013)

Aber so eine Limousine macht doch überhaupt keinen schlanken Fuß?


Zeitungsausschnitt, in dem von der 2. Staffel eines Fußballspiels die Rede ist (statt Halbzeit)

Seriensiege des Fußball-Nationalteams sind verständlicherweise ein Quotenrenner … (der Standard, 23.6.2023)


„Strache attestierte dem SPÖ-Vorsitzenden, Familien, Pensionisten und Arbeitnehmer verraten zu haben …“ (Kronen Zeitung, 18.9.2013)

Ankreiden, anlasten, beanstanden, beschuldigen, bezichtigen, vorhalten, unterstellen … attestieren bedeutet jedoch zugestehen und ist hier fehl am Platz. Oder erhebt die Kronen Zeitung den Anwurf zur bereits bewiesenen Tatsache? Attestieren kann auch im Sinne von beglaubigen verstanden werden …

„Das neue Gehaltschema liege zwar unter dem derzeit gültigen Gehältern für angestellte JournalistInnen, …“ (Kurier, 8.3.2013)

Wie sich das unter den Gehältern liegende Schema wohl fühlt? Von der schmerzhaften Misshandlung der Grammatik mal ganz abgesehen.


„Natürlich müssen wir weiter sparen, aber die Regierung fördert gerade jetzt das Wirtschaftswachstum fördern.“ (Kurier, 23.8.2013)

Italiens Ministerpräsident Enrico Letta ist ein überaus förderlicher Politiker.


„In Südeuropas bekommt man den Eindruck …“ (Kurier, ebd.)

Den Redakteur haben die EU-Zerfallstendenzen anscheinend zur Erfindung eines neuen Plurals angeregt.


„Es war in den frühen Morgenstunden um exakt 07.30 Früh …“ (Österreich, 16.9.2013)

Eine echte Unzeit für Journalisten.



Seite eines Magazins mit Text: "Guter Journalismus recherchieren Tage, damit ihre Leser in Minuten Bescheid wissen."

„Beherzte Passanten begriffen ein und verfolgten den Räuber.“ (Heute, 18.9.2013)

Spannende Wortschöpfung: „Einbegreifen“ macht aus verstehen und handeln eins. Ob sich das durchsetzt? Immerhin steht Heute ja für guten Journalismus, wie der nebenstehenden Anzeige zu entnehmen ist …


„Sex gilt allgemeinhin als der Gipfel körperlicher Zuneigung.“ (OÖ-Heute.at, 18.9.2013)

Sicher ist sicher, besonders bei Verallgemeinerungen


Dass selbst Qualitätszeitungen mit wirklich hart arbeitenden Korrekturteams den Scharen von Fehlerteufelchen nicht hundertprozentig Herr werden können, belegen die folgenden Perlen:


„Dienstreise der anderen Art: Wüstenrot prüft Sex-Eskapaden … Ein Reisebus voll mit Wüstenrot-Mitarbeitern rollte an jenem Abend vor das Barbarella an der Copacabana. Angeblich empfahl die lokale Reiseleiterin das Establishment.“ (Die Presse, 12.12.2011)

Jane Fonda als Barbarella war definitiv das Establishment in puncto erotischer Versuchung,hier dürfte aber doch eher das Etablissement gemeint gewesen sein.


Zeitungsausschnitt mit Kommentar des Grazer Bürgermeisters über Strache-Fans, die Hitlergruß zeigten. Text in Schwarz auf beigem Papier. Allerding wurde auf den Bindestrich zwischen Strache und Fans vergessen

„… kommentiert der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) am Dienstag die Hitlergrüße, die Strache Fans … vor dem Fenster seines Rathausbüros offen gezeigt hatten.“ (Der Standard, 25.9.2013)

Das Divis (fachsprachlich für Bindestrich) macht den Unterschied: Strache‐Fans waren gemeint. Geht natürlich aus dem Kontext und dem Verb im Plural unzweifelhaft hervor, aber trotzdem … War das am Ende eine extra subtile Spitze des Lektorats?


Definitiv keine Absicht dürfte der „Groupier“ auf S. 10 derselben Standard-Ausgabe gewesen sein. Zumal er als „finster dreinblickend“ bezeichnet wurde und also als männlicher Groupie offenkundig nichts taugte. Hätte ja auch ein Croupier werden sollen.



Zeitungsausschnitt über den Fußball WM-Ball Brazuca. Text betont stabile Flugbahn und enthält den kryptischen Satz: "Je kürzer die Länge der Nähe ..." (Gemeint war Nähte)

Hier rechts ein besonders trickreiches Beispiel kurz vor dem Start der Fußball-WM 2014 (also ich hab jedenfalls eine Weile gebraucht, um hinter die Bedeutung von Je kürzer die Länge der Nähe zu kommen … und nein, es ist nicht einfach näher maximal kompliziert umschrieben.*)


Und zum Drüberstreuen noch das eine oder andere Fundstück aus weniger professionellen Quellen:


„Der Herr Kaserer fuhr der Frau Rakolnig hinten hinein.“

Polizeiprotokoll: Geschildert wurde die Kollision mit dem Heck des parkenden Wagens. Frau Rakolnig befand sich zur Tatzeit nicht vor Ort.


„Seltsam schmeckendes Huhn“

ein beinahe unwiderstehliches Angebot eines Chinarestaurants in Wien-Neubau

„Der Bauer hat gerochen.“

Obwohl dies zweifellos so gewesen ist, war in diesem Fall gemeint: … hat gerecht.


Handschriftliche Notiz auf liniertem Papier: "Italienischer Verschissmus", von einer Lehrkraft unterwellt und mit Fragezeichen versehen. Darunter Versuche eines Quellenhinweises: "Vgl. Buch S.16/17" in Blau.

„Italienischer Verschissmus“

Die Überschrift lässt das Schlimmste befürchten, aber hey! Immerhin befasst sich der Schüler, 4.(!) Klasse Gymnasium, mit einem brisanten politischen Thema, von wegen Politikmüdigkeit der Jugend. Auf den Trend zum Zweitbuch dürfte er allerdings noch nicht aufgesprungen sein, wie sich aus der Quellenangabe schlussfolgern lässt.


„Begaxel“

Aus einem Wiener Schüleraufsatz. Der faszinierendste mir bekannte Fall von kompromisslos lautmalender Orthografie. (Allerdings hätte es dann ganz konsequent „Beggaxell“ geschrieben werden müssen, Betonung auf der ersten Silbe.) Wer damit bezeichnet wurde, verrate ich nicht – das ist ein Dauergewinnspiel. Wer mir des Rätsels Lösung per E-Mail schickt, erhält mein E-Book „Der Bürg mit dem Hundehalsband“ gratis. Ein Hinweis noch: Es ging in dem Aufsatz um die Sage vom Basilisken.


* Nähte nicht Nähe war gemeint …

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