Textmaker Helmuth Santler

Der Textmaker – und die Botschaft kommt an

Mord im Mädcheninternat

Mord im Mädcheninternat 1934 im Deepdean-Mädcheninternat: Fräuleins unterrichten, auf dem Stundenplan steht neben dem Bildungsplan für höhere Töchter auch das Fach „Haltung“ – und irgendwie dreht sich alles letztlich nur darum. Highschool bleibt Highschool, daran ändert auch das Retro-Spektakel nichts, zu dem dieser Debütroman in Stil und Setting geworden ist: Agatha Christie ist wiederauferstanden (tatsächlich wollte die Autorin von Kindesbeinen an in die Fußstapfen der Grande Dame des britischen Krimis treten) und hat einen klassischen Whodunit-Krimi für weibliche Beinahe-Teenager geschrieben.

Daisy Wells und Hazel Wong vulgo Sherlock(a) Holmes jun. und Jo(a)nn(a) Watson jun. haben ihr eigenes, streng geheimes Detektivbüro gegründet, für das es nach bescheidenen Anfangsfällen à la „Das Rätsel um die verschwundene Krawatte“ plötzlich todernst wird: Miss Bells Leiche liegt in der Turnhalle. Aber nur ein paar Minuten – als Hazel mit Daisy an den Tatort zurückkehrt, ist nichts mehr zu sehen. Und die Mädchen wissen: Hier ist ein Mord geschehen!

Unter Daisys Leitung beginnt eine minutiöse Aufklärungsarbeit, sorgfältig von Hazel protokolliert. Charme, Verstellung, Witz und Geistesgegenwart und ab und zu ein wenig Öl ins Feuer – viel mehr steht den beiden dafür nicht zur Verfügung, denn an der Deepdean ist alles eng und reguliert, und schließlich gilt es unter allen Umständen, „Haltung“ zu bewahren. Wozu auch gehört, dass niemand spitzkriegt, was Daisy und Hazel da eigentlich treiben. Denn so etwas Vulgäres wie Detektivarbeit geziemt sich ganz und gar nicht für die hochwohlgeborenen zukünftigen Mütter der Nation: Mord ist nichts für junge Damen.

Robin Stevens, „Mord ist nichts für junge Damen: Ein Fall für Wells & Wong“. € 15,40 (A) / 288 S. Knesebeck-Verlag, München 2016

Anm.: Die Lesealter-Empfehlung des Verlages ist 12 bis 15 Jahre, meine persönliche lautet: ab 10.

Autor: Helmuth Santler

04. Sep 2016 um 10:49

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